Afad Gurbanovs Beiträge zum Übergang Aserbaidschans zum neuen lateinischen Alphabet

Ein wesentlicher Bestandteil der nationalen Kultur eines jeden Volkes ist das Alphabet und das Schreibsystem der Menschen. Das Alphabet ist ein kulturelles Wappen, der nationale und moralische Reichtum der Menschen. Das auf der Grundlage eines kultivierten und perfekten Alphabets implementierte Schriftsystem spielt eine führende Rolle bei der Schaffung, dem Überleben und der Entwicklung der materiellen und kulturellen Leistungen eines Volkes und dient der Entwicklung der Sprache, der wissenschaftlichen Beziehungen und anderer notwendiger Bereiche der nationalen Tätigkeit.


Leider hat sich das Alphabet des aserbaidschanischen Volkes aus verschiedenen Gründen zu verschiedenen Zeitpunkten mehrmals geändert und das letzte kyrillische Alphabet wurde akzeptiert, obwohl es keineswegs dem Klangbild der aserbaidschanischen Sprache entsprach.


Die Wiederbelebungsbewegung, die sich in den achtziger Jahren in Aserbaidschan entwickelte, lenkte die Aufmerksamkeit von Afad Gurbanov (zusätzlich zu dem von vielen prominenten Intellektuellen) auf die Lösung der ernsthaften Probleme, mit denen unser Volk konfrontiert ist. Eines dieser Probleme war die Ersetzung des kyrillischen Alphabets des aserbaidschanischen Volkes, die Legalisierung der aserbaidschanischen Sprache als Staatssprache, ihre aktivere Verwendung und die Ausweitung ihrer sozialen und sonstigen Funktionen.


Afad Gurbanov spielte als Vorsitzender der aserbaidschanischen Alphabetkommission und als Autor des neuen lateinischen Schriftalphabets auch eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Alphabetreform in unserem Land. Als talentierter Wissenschaftler und geschickter Organisator widmete Afad Gurbanov all seine Bemühungen und Fähigkeiten diesem wichtigen Werk, das die Wünsche und Vorstellungen der Menschen widerspiegelte - den Übergang des aserbaidschanischen Alphabets zur lateinischen Schrift.


In dieser Zeit war Afad Gurbanov der erste Wissenschaftler, der die Notwendigkeit des Übergangs zum lateinischen Alphabet anhand wissenschaftlicher Fakten feststellte. Die aserbaidschanische Alphabetkommission wurde 1990 aus seiner Initiative als Reformator des Alphabets gegründet. Aufgrund der kreativen Arbeit in diesem Bereich wurde Afad Gurbanov zum Vorsitzenden der Kommission ernannt.


In unserem Land wurde beträchtliche theoretische und praktische Arbeit geleistet, um den neuen Entwurf des Alphabets vorzubereiten. Neben Linguisten, Literaturspezialisten, Historikern, Orientalisten, Ethnographen, Schriftstellern und Dichtern, Lehrern der Mittel- und Oberstufenschulen, Presse- und Verlage sowie andere Intellektuelle waren an der Lösung dieses Problems beteiligt.


Die Alphabetfrage wurde in der Republik Gegenstand ausführlicher Diskussionen. In einer Reihe von Einrichtungen, Organisationen und Unternehmen im Land fanden Diskussionen statt, die 6-7 Monate andauerten. Insbesondere unter den Mitarbeitern der Hochschuleinrichtungen fand ein ausführlicher und umfassender Meinungsaustausch statt.


Afad Gurbanov wies auf die Nachteile des kyrillischen Alphabets hin und berücksichtigte die Bedeutung der Entwicklung des Entwurfs des lateinischen Schriftzeichens im Einklang mit dem Klangbild unserer Sprache, ging jedoch sehr vorsichtig mit dieser Frage um und verlangte große Sorgfalt bei dieser Arbeit, in dem Glauben, dass die Schaffung eines Alphabets das komplizierteste und verantwortlichste aller sozialen, politischen und kulturellen Probleme dieser Zeit war. Er erklärte entschieden: „Die kyrillische Schrift erfüllt nicht alle Feinheiten und Anforderungen der aserbaidschanischen Sprache. In dem kyrillischen schriftbasierten Alphabet, das wir derzeit verwenden, gibt es eine Reihe von nicht behebbaren Fehlern. Darüber hinaus hat das kyrillische  Alphabet nur einen negativen Einfluss auf die Vereinigung der nationalen Kultur unseres Volkes. Aserbaidschaner, die an verschiedenen Orten leben, können keine direkten Informationen über die Erfolge des anderen erhalten und folglich bestehen keine starken Verbindungen zwischen den Teilen unserer nationalen Kultur. Daher ist ein progressives und passendes Alphabet für die Einheit unseres Volkes und seine wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung erforderlich. Und dieses Alphabet muss ein neues auf lateinischer Schrift basierendes Alphabet sein, das sich jetzt und in Zukunft beweisen und bewähren wird“.


Eine Reihe von Überlegungen und Vorschlägen bezüglich der Annahme des Alphabets, der Auswahl der Buchstaben nach ihrer Struktur und ihrer Anordnung in der Alphabettabelle und anderen Fragen wurde in den vielen Berichten, die während der Diskussion gemacht wurden und in Briefen, die aus verschiedenen Regionen der Republik und von den in mehreren Ländern lebenden Aserbaidschanern erhalten wurden, vorgebracht.


Zu dieser Zeit gab es innerhalb der Gesellschaft unterschiedliche widersprüchliche Gedanken über das Alphabet, und es wurden die folgenden Vorschläge zur Annahme des Alphabets gemacht:


- Entwickeln des alten Türkisch-Uigur oder Orhon-Goyturk-Alphabets entsprechend den heutigen Anforderungen;


- Reform des auf arabischer Schrift basierenden Alphabets, dass in der Vergangenheit verwendet wurde;


- Erfinden eines völlig neues Alphabets ohne Analogie auf der ganzen Welt;


- Rückkehr zum Alphabet in lateinischer Schrift


Obwohl sich damals die Befürworter des sich auf arabischer Schrift basierenden Alphabets in der Mehrheit befanden, wurde auf Drängen von Afad Gurbanov hin, der vierte Vorschlag als der geeignetste angenommen. Im Zusammenhang mit diesem Vorschlag wurden drei Meinungen geäußert:


- Anwenden des auf lateinischer Schrift basierenden modernen türkischen Alphabets, wie es ist;


- Übernehmen des bis in die 1920er Jahre verwendeten Alphabets, ohne Änderungen vorzunehmen;


- Erarbeiten eins neuen unabhängigen Alphabets mit lateinischer Schrift.


Auf der Grundlage des dritten Standpunkts hat Afad Gurbanov unseren Entwurf des modernen Alphabets in Übereinstimmung mit dem Klangbild und anderen Besonderheiten der aserbaidschanischen Sprache entwickelt und der Kommission zur Diskussion vorgelegt.


Dann wurden der breiten Öffentlichkeit durch Fernsehen und Presse die Informationen über den Entwurf des Alphabets übermittelt und 1992 nach ausführlichen Diskussionen verabschiedet. Zuallererst wurde der Apostroph von den Buchstaben des neuen Alphabets entfernt.


In den frühen neunziger Jahren spielte Afad Gurbanov auch eine beispiellose Rolle bei der Legalisierung der aserbaidschanischen Sprache und bei der Sicherstellung ihrer breiten Verwendung. Als aktives Mitglied der Kommission für die Ausarbeitung des Gesetzentwurfs zur aserbaidschanischen Sprache und der anderen zuständigen Landeskommissionen hat er viel getan.


Neben der Vorbereitung des neuen Entwurfs des Alphabets und des Gesetzesentwurfs über die aserbaidschanische Sprache war der herausragende Linguist, Wissenschaftler und Vertreter des öffentlichen Lebens, Afad Gurbanov, zwischen 1990 und 1995 als Abgeordneter des Parlaments der Aserbaidschanischen Republik in der Öffentlichkeit aktiv und politisch tätig. Auch in diesen Bereichen war seine Arbeit ebenfalls beachtlich. Die Hauptforderung in seiner Rolle als Abgeordneter war, den Übergang zum lateinischen Alphabet, die aktive Verwendung der aserbaidschanischen Sprache und die Erweiterung ihrer sozialen und sonstigen Funktionen sicherzustellen.


Das gegenwärtige Alphabet, das den Reichtum des Volkes darstellt, ist das größte Geschenk, das das aserbaidschanische Volk aufgrund der wissenschaftlichen und öffentlichen Tätigkeit unseres herausragenden Sprachwissenschaftlers Afad Gurbanov, der ein unermüdlicher Mensch und ein aktiver Bürger war, der sein Volk sehr liebte, erhielt.